Die Frau als Ware

 

Nora Bossong

Rotlicht

Hanser 2017, 235 Seiten

 

Wer das Wort Rotlicht liest, hat wahrscheinlich etwas leicht verruchtes, erotisches, vielleicht auch spannendes vor dem inneren Auge.

 

Hätte Nora Bossong ihr Buch „Die Frau als Ware“ benannt, würden diese drei Worte eher nicht in den Sinn kommen.

 

Rotlicht ist ein schonungsloser und nüchterner Blick hinter den Kulissen des Geschäftes mit dem Sex und nach dieser Lektüre sieht man, dass das Erotik-Geschäft alles andere als erotisch ist.

 

Ich denke, es ist sehr mutig von ihr, als Frau in eine Tabledance Bar, einen Swinger Club, ein Sexkino, und ein Bordell zu gehen. Sie beschreibt ihren Besuch bei einer Porno Messe in Berlin, trifft sich mit einem älteren Pornoproduzenten in der Schweiz, schaut sich Videos bei YouPorn an und redet mit Frauen vom Strich und mit einer Verwaltungsangestellte die für „Verrichtungsboxen“ zuständig war. 

 

Und ich weiß nicht was mich mehr erstaunt hat; die Schmuddeligkeit des Sexkinos oder die Biederkeit des Swinger-Clubs (so als ob man bloß mit Handtuch ins nächst beste Reihenhaus gehen würde wo die Nachbarn zwar alle nackt sind aber sich trotzdem gerne übers Buffet hermachen. Keine besonders reizvolle Vorstellung, oder…? Ach ja, damit man die Szene im Kopf komplett hat:  Badelatschen musste man da auch tragen.) 

 

In Rotlicht reflektiert die Autorin über die verschiedenen Modelle ‚Sex als Geschäft’, aber auch über Sexualität an sich, Begierde, Moral, und über die anscheinend relativ weit verbreitete Annahme von vielen Männern, dass sie irgendeinen „Recht“ auf Sex hätten und was das wiederum über Männer und Frauen sagt. 

 

Es ist ein unbequemes Buch, vielleicht weil sie über vieles schreibt was man eigentlich weiß, worüber man jedoch selten tiefer nachdenkt, nämlich dass in diesem Geschäft die Frauen als „Ware“ behandelt werden. 

 

Nora Bossong hat diese Orte mit verschiedenen Männern besucht, und interessant waren auch ihre Reaktionen auf das Gesehene und Erlebte. Wenn ich den Unterschied kurz beschreiben müsste, würde ich sagen: für Nora Bossong war das eine ernste Sache, etwas worüber sie noch lange sinniert und nachgedacht hat, während es für ihre männlichen Begleiter eher ein Spiel zu sein schien. 

 

Ich wünschte ich hätte bei der Lesung bei Slawski dabei sein können (ich war zu der Zeit in Nord-Finnland). Leider habe ich gehört, dass die Buchhandlung nicht ganz so voll war, wie sonst bei den Lesungen üblich. Das bedeutet aber nicht, dass das Buch nicht lesenswert ist – ganz im Gegenteil, es ist sehr empfehlenswert! – sondern dass das Buchholzer Publikum eventuell doch etwas prüder als erwartet ist…

 

 

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